„Viel Spaß“ hat viel Spaß beim OLG Köln

Prominente auf der Titelseite einer Zeitung können gleich doppelt gut sein: um den Aufmerksamkeitswert der Ausgabe zu steigern und um später mit dem Titelblatt der Ausgabe in Anzeigen zu werben. Aber ist diese Doppelverwertung zulässig?

Zunächst muss natürlich die Erstveröffentlichung als solche erlaubt sein. Es muss dann einen aktuellen Berichterstattungsanlass gegeben haben (das Gesetz spricht in § 23 Abs. 1 Nr.  1 KUG von „Bildnissen aus dem Bereiche der Zeitgeschichte“), der auch nicht nur konstruiert sein darf, um die Fotoveröffentlichung zu ermöglichen. So hat der BGH hat in der Entscheidung „Wer wird Millionär“ einer Rätselzeitschrift verboten, mit dem Foto von Günther Jauch zu werben, wenn der Berichterstattungsanlass sich auf dei Aussage beschränkt „Günther Jauch zeigt mit „Wer wird Millionär, wie spannend Quiz sein kann.“

Ist die Veröffentlichung einmal zulässig. darf grundsätzlich auch mit der Ausgabe geworben werden, obwohl die Werbung mit Prominenten an sich ohne ihre Zustimmung nur selten zulässig ist. Die Gerichte erkennen aber an, dass ein Printmedium in der Werbung anhand von tatsächlich erschienenen Ausgaben in der Werbung auf Inhalt und Aufmachung aufmerksam machen darf. Das liegt noch auf der Hand, wenn die aktuelle Ausgabe vor dem Zeitungskiosk in einem Aufsteller beworben wird. Aber gilt das auch für alte, etwa schon ein Jahr alte Ausgaben?

Darüber hat jetzt das OLG Köln (Urt. v. 22. Januar 2011 – 15 U 133/10) entschieden und dem beklagten Verlag, der eine solche Werbung mit einem etwa ein Jahr alten Titelblatt geschaltet hatte, in einem gut begründeten Urteil Recht gegeben.

„Für den kleinen Urlaub zwischendurch“ lautete die Überschrift der Werbeanzeige für die Zeitschrift „Viel Spaß“ in der „Glücks Revue“. Darunter war ein Foto einer glückselig blickenden Frau abgebildet, die ein älteres Exemplar der „Viel Spaß“ in den Händen hielt. Auf der Titelseite der alten Ausgabe war ein Foto eines Prominenten abgebildet, das allerdings die Titelseite nicht füllte.

Das Gericht führt aus:

Zur Überzeugung des Senats wird mit der Anzeige mitgeteilt, wie ein bisher erschienenes Titelblatt der Zeitschrift „Viel Spaß“ beispielhaft aussieht und welche Inhalte die Zeitschrift hat. Die Anzeige vermittelt, dass die Zeitschrift zur Unterhaltung und Entspannung für jedermann dient. Das folgt daraus, dass wörtlich in der Anzeige darauf angespielt wird, dass man sie im „kleinen Urlaub zwischendurch“ gut lesen kann, sie preiswert ist (0,69 cent) und es wenig Zeit bedarf, um sie zu lesen.Die Verwendung des konkreten Titelblatts steht auch dafür, dass die Zeitschrift Geschichten über den Kläger und vergleichbare Persönlichkeiten enthält.

Dies gelte insbesondere, weil das Foto nur klein abgebildet sei und Blickfang der Anzeige die Frau sei, die die Zeitschrift in den Händen halte. Auch der Werbetext nehme keinen Bezug zu der Titelseite. Insbesondere deshalb werde der Werbewert der abgebildeten Person nicht unzulässigerweise ausgenutzt.

Das Gericht hat die Revision zugelassen. Auf das Ergebnis des Verfahrens beim BGH darf man gespannt sein. Der BGH hatte bereits über einen immerhin ähnlichen Sachverhalt zu entscheiden. Er hat seinem Urteil  „Der strauchelnde Liebling“ zwar etwa zugelassen, dass die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung noch vor ihrem ersten Erscheinen mit einer nur für die Werbung erstellten Dummy-Ausgsbe mit einem Foto von Boris Becker und der Überschrift „Der strauchelnde Liebling“ warb, aber verlangt, dass nach dem Erscheinen der ersten echten Ausgabe mit dem Dummy nicht mehr geworben werden dürfe, sondern dann eine „echte“ schon erschienene Ausgabe verwendet werden müsse.

Schreibe einen Kommentar

Wenn Sie diese Seite nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Verwendung von Cookies Auf unseren Internetseiten werden so genannte Cookies verwendet. Dabei handelt es sich um kleine Textdateien, die auf Ihrem Rechner abgelegt werden und die Ihr Browser speichert. Cookies dienen dazu, unser Angebot nutzerfreundlicher, effektiver und sicherer zu machen. Wir verwenden überwiegend so genannte „Session-Cookies“. Diese werden nach Ende Ihres Besuchs automatisch gelöscht. Wenn Sie unsere Webseiten ohne Cookies betrachten möchten, wählen Sie bitte in den Einstellungen Ihres Browsers die Funktion „Keine Cookies akzeptieren“ aus. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, bereits gesetzte Cookies wieder zu löschen. Genaueres entnehmen Sie bitte der Hilfe-Funktion des jeweiligen Browser-Herstellers.

Schließen