Nicht willkommen im Dschungel – Keine Gegendarstellung gegen Satire

„Only no news is bad news“ sollte sich eigentlich jeder Z-Prominente sagen, insbesondere wenn die Prominenz nicht einmal mehr für die Teilnahme am Dschungelcamp reicht.

Anderer Meinung war offenbar ein Modedesigner, der sich gegen eine Berichterstattung im Berliner Tagesspiegel wehrte, der ihn immerhin für das Dschungelcamp vorgeschlagen hatte –  in guter Gesellschaft neben Unterhaltungsikonen wie Hansi Hinterseer, Florian Silbereisen oder Andy Borg. Wörtlich heißt es über den Modemacher:

Der soll Modedesigner sein, hat es mit seinen pompösen Wallawalla-Kreationen aber nur zu Abverkäufen beim Einkaufssender gebracht. X… ist, geschminkt oder nicht, ein Topkandidat fürs Fremdschämen.

Das wollte der Designer nicht auf sich sitzen lassen und begehrte den Abdruck einer Gegendarstellung des Inhalts, dass er seine Mode nicht nur über Einkaufssender vertreibe.

Das Landgericht Berlin wies den Antrag des Designers auf Erlass einer entsprechenden einstweiligen Verfügung zurück. Die dagegen gerichtete Beschwerde des Designers hatte beim Kammergericht  (Beschluss vom 17. Januar 2011 – 10 W 172/10) keinen Erfolg.

Eine Gegendarstellung kann grundsätzlich nur gegen Tatsachenbehauptungen verlangt werden. Für eine solche hielt das Kammergericht die Behauptung zum Vertriebsweg der Mode letztlich nicht. Das Gericht führt aus:

Bei satirischen Darstellungen ist (…) nicht nur der zu ermittelnde Aussagekern, sondern auch die Einkleidung der Aussage darauf hin zu prüfen, ob durch eine unwahre Tatsachenbehauptung oder Schmähkritik das Persönlichkeitsrecht des Betroffenen verletzt wird.

Die beanstandete Aussage enthalte zwar die nach Angaben des Antragstellers unzutreffende Behauptung, die von dem Designer  entworfenen Produkte würden nur über einen Einkaufssender verkauft. Die Aussage sei jedoch im Gesamtkontext des Artikels zu betrachten, der sich unter der Überschrift „Der Dschungel ruft“ mit der Frage befasse „Wer darf ins RTL-Camp?“ mit „Vorschlägen, die der Sender nicht übersehen darf“. Vorgeschlagen würden zehn Medienprominente, die sich nach Auffassung des Autors „mit Fleiß, häufig aber gegen ihren Willen auf der Peinlichkeitsskala nach oben gearbeitet“ hätten. In diesem Zusammenhang werde der Designer mit der beanstandeten Äußerung als geeigneter Kandidat vorgestellt. Es solle nur ausgedrückt werden, dass er es aus Sicht des Autors als Modedesigner noch nicht soweit gebracht habe, weswegen er als Kandidat für das Dschungelcamp geeignet sei. Der satirisch überzeichneten Äußerung, die sich auch in dem Begriff „pompöse Wallawalla-Kreationen“ zeige, sei auch schon angesichts der Kürze des den Antragsteller betreffenden Textes nicht zu entnehmen, dass eine vollständige Angabe zu den Vertriebswegen erfolgen sollte. Eine einer Gegendarstellung zugängliche Äußerung liege damit nicht vor.

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