Kein Geld für Bestreiten von verflossener Liebe in Gegendarstellung

18. März 2011 | Von

Alles beginnt mit der Liebesbeziehung eines Fernsehmoderators zu einer Frau. Nach dem Ende der Beziehung bezichtigt sie ihn gegenüber der Presse wahrheitswidrig, sie gewürgt zu haben. Die Neue Woche veröffentlicht die Geschichte als Titelstory. Der Moderator erwirkt eine Gegendarstellung auf der Titelseite, in der er erklärt, sie nicht gewürgt zu haben. Bei der Gelegenheit bestreitet er auch gleich – und zwar möglicherweise ebenfalls wahrheitswidrig – eine Beziehung zu der Dame gehabt zu haben. Diese wiederum fühlt sich aufgrund der verleugneten Beziehung in ihrem Stolz verletzt und klagt auf eine Geldentschädigung von 15.000,00 EUR. Mit ihr gemeinsam klagt die Journalistin, die den Beitrag veröffentlicht hat – Klageforderung hier 20.000,00 EUR. Begründung: Die Leugnung in der Gegendarstellung stelle eine schwere Persönlichkeitsverletzung dar. Die Journalistin berief sich darauf, die Beeinträchtigung ihrer journalistischen Glaubwürdigkeit sei geeignet,  sie wirtschaftlich zu vernichten.

Das OLG Karlsruhe hat den Forderungen in seinem Urteil vom 11. März 2011
14 U 129/09 - eine klare Absage erteilt und findet – völlig zu Recht – deutliche Worte: Eine schwere Persönlichkeitsverletzung, die Voraussetzung einer Geldentschädigung ist, liege nur zu Lasten des Moderators vor, der einer Gewalttat bezichtigt worden sei. Selbst wenn der Moderator wahrheitswidrig behauptet und sogar an Eides statt versichert habe, dass er keine Beziehung zu der Klägerin gehabt habe, sei das zwar rechtlich bedenklich, menschlich aber als Reaktion auf die üble Nachrede nachvollziehbar. Schon weil die Klägerin dieses Verhalten herausgefordert habe, liege keine schwere Verletzung ihres Persönlichkeitsrechts vor.

Was die Journalistin angehe, so sei es fernliegend, dass sie nachhaltig geschädigt sei, nur weil sie sich eine Gegendarstellung “eingefangen” habe. In der Medienszene sei bekannt, dass bei der Gegendarstellung grundsätzlich weder bei der Erstmitteilung noch bei der Entgegnung eine Prüfung des Wahrheitsgehalts stattfinde. Wenn sie aber doch geschädigt sei, dann trage dafür nicht der Moderator, sondern die Ex-Geliebte die Verantwortung, die die falsche Information in die Welt gesetzt habe.

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