Triumph und Tränen

22. März 2011 | Von

Das OLG Karlsruhe wird in seiner Pressemitteilung zu einem Urteil vom Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe vom 11. März 2011 – 14 U 185/10 - geradezu poetisch, setzt sich intensiv mit den physischen Auswirkungen von Rührung auseinander und führt aus, wenn über den Moderator Günter Jauch  in einem Zeitungsbericht heiße, er sei zu Tränen gerührt, schließe der Leser daraus, dass er

kurz vor dem Ausbruch der Tränen sei und dass dies auch spürbar, wenn nicht sogar sichtbar sei, die Stimme einer solchen Person werde unsicher, ihre Augen seien gerötet und feucht und vielleicht trete ‑ obwohl die Person gegen die Emotion ankämpfe ‑ die eine oder andere vereinzelte Träne doch schon hervor.

Es handele sich also um körperliche Vorgänge, die nicht im Inneren des Menschen verblieben, sondern ohne Weiteres im Wege einer Beweisaufnahme einer Feststellung zugeführt werden könnten. Daher handele es sich um eine Tatsachenbehauptung, gegen die der angeblich zu Tränen Gerührte eine Gegendarstellung verlangen könne.

Konkret ging es in der Entscheidung um eine Titelstory in der “neuen woche” unter dem Titel “Triumph und Tränen” im Oktober 2010, in der über Günther Jauch berichtet wird. Dort hieß es:

Sicherlich war er auch zu Tränen gerührt, als er vom Schicksal sozial benachteiligter Kinder in seinem Wohnort Potsdam hörte.

Danach wird festgestellt, dass der Kläger das Kinderhilfsprojekt „Arche“ großzügig unterstützt habe. Der Moderator begehrte eine Gegendarstellung des Inhalts, dass  er nicht zu Tränen gerührt gewesen sei, als er vom Schicksal sozial benachteiligter Kinder in seinem Wohnort Potsdam gehört habe. Er handle nämlich nicht aus reiner Rührung heraus als gewissermaßen Herzschmerzgeschichte für den Boulevard, sondern überlege sich genau, bei welchen Projekten er spende und bei welchen nicht.

Eine Gegendarstellung kann nur gegen Tatsachenbehauptungen, nicht gegen Meinungsäußerungen verlangt werden. Deshalb hatte das OLG die Frage zu prüfen, ob die Äußerung der Rührung zu Tränen Tatsache oder Meinung ist, und hat mit der obigen Begründung zugunsten des Moderators entschieden, so dass die Gegendarstellung abgedruckt werden muss.

Allerdings gab es keinen vollständigen “Triumph” für den Moderator – Jauch musste auch eine Teilniederlage hinnehmen. In einem weiteren Urteil vom 11. März 2011 – 14 U 186/10 - hat das OLG Karlsruhe entschieden, dass der Moderator keine Gegendarstellung gegen eine Fotomontage auf der Titelseite der “neuen woche” verlangen könne, die ihn mit seiner Ehefrau vor einem aus grünen Blättern zusammengesetzten Hintergrund zeigt. Jauch begehrte eine Gegendarstellung, wonach es sich um eine zusammengesetzte Abbildung handele.

Das OLG Karlsruhe lässt durchblicken, dass eine anders formulierte Gegendarstellung denkbar gewesen wäre, die begehrte aber nicht.

Auch aus Fotomontagen könnten sich gegendarstellungsfähige Tatsachenbehauptungen ergeben, sofern sich nicht aus der Gestaltung der Fotomontage offensichtlich ergebe, dass es sich um eine Montage handle. Hier sei eine Aussage der Abbildung dahin denkbar, dass der Kläger sich entgegen seiner sonstigen Haltung zusammen mit seiner Ehefrau im Privatbereich habe ablichten lassen. Solche Tatsachenaussagen könnten bei Vorliegen der weiteren Voraussetzungen gegendarstellungsfähig sein. Demgegenüber bestehe auf die vom Kläger begehrte Veröffentlichung der bloßen Gegenerklärung, es handle sich um eine zusammengesetzte Abbildung, kein Anspruch, weil sie sich nicht gegen eine aus der Montage abzuleitende Aussage richte, sondern auf die Feststellung der Zusammensetzung an sich.

Im Übrigen fehle aber auch das weiter erforderliche berechtigte Interesse an der Gegendarstellung, weil eine nennenswerte Beeinträchtigung des Persönlichkeitsrechts durch die suggerierte Aussage, der Moderator lasse sich mit seiner Frau abbilden, nicht zu erkennen sein, zumal wenn man berücksichtige, dass der Kläger schon Ausnahmen gemacht und sich zur Anfertigung und Veröffentlichung von Fotografien mit privatem Einschlag, wie etwa der auf seinem Weingut gefertigten Fotostrecke, bereitgefunden habe.

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