Probieren geht über studieren

Studieren kann man nicht nur an einer Hochschule, sondern auch in einem stillen Kämmerlein oder im Rahmen einer hochschulfernen Fort- oder Ausbildung. So unbestreitbar richtig diese Aussage ist, so zweifelhaft sind andererseits die Schlüsse, die das  LG Wuppertal in einem Urteil vom 23.11.2010 – 11 O 79/10 – aus ihr zieht.

Eine Praxis für Hundephysiotherapie hatte auf einem Flyer unter der Überschrift “Meine Ausbildung” mit dem Text:

“2000 bis 2002 habe ich ein Studium der Tiernaturheilkunde bei der ATM abgeschlossen und 2002 bis 2004 eine Ausbildung zur Tierphysiotherapeutin bei der FAT.”

geworben. Dagegen hatte die Wettbewerbszentrale mit dem Argument geklagt, die Werbung sei irreführend, weil die Betreiberin der Praxis kein Hochschulstudium absolviert habe.

Das LG Wuppertal teilte diese Ansicht nicht, wies die Klage ab und führt aus, der Begriff “Studium” sei mehrdeutig und sei deshalb alleine nicht geeignet, den Eindruck zu erwecken, es handele sich um ein Hochschulstudium. Als Studium werde im allgemeinen Sprachgebrauch nämlich auch die intensive Beschäftigung mit einer Sache bezeichnet (z.B. Aktenstudium). Auch die Nennung des Instituts (ATM), bei dem das Studium durchgeführt wurde, verhindere eine Verwechslungsgefahr mit einem Hochschulstudium, obwohl das Kürzel nicht erläutert werde. Denn staatliche Universitäten oder Fachhochschulen trügen in ihrem Namenskürzel gewöhnlicherweise den Buchstaben U oder die Buchstaben FH.

Weiter heißt es:

„Eine Irreführung ist vorliegend auch deshalb ausgeschlossen, weil allgemein bekannt ist, dass es kein Hochschulstudium der Tiernaturheilkunde gibt und dass eine zweijährige Ausbildungszeit für ein Medizinstudium an einer Hochschule ohnehin zu kurz wäre. Auch ist allgemein bekannt, dass Physiotherapeuten kein Hochschulstudium absolvieren müssen. Es wäre ungewöhnlich, wenn die Beklagte auf ein Hochschulstudium der Tiernaturheilkunde, (-das es nicht gibt-) eine Ausbildung zur Tierphysiotherapeutin aufgesattelt hätte, die kein Hochschulstudium beinhaltet, also lediglich eine geringere Qualifizierungsstufe erreicht.“

Zudem verweise die Beklagte unter der Überschrift “Therapieverlauf” ausdrücklich darauf, dass vorab ein Tierarzt zu konsultieren sei. Dieser Hinweis sei unverständlich, wenn die Beklagte über eine ähnlich qualifizierte Hochschulausbildung wie ein Tierarzt verfüge.

Die Analyse des Werbetextes durch das Gericht mag in sich schlüssig klingen, wird dem Eindruck, der bei einem durchschnittlichen Hundebesitzer entsteht, aber nicht gerecht. Dieser wird nicht unbedingt wissen, dass es nicht zumindest an einer Fachhochschule einen Studiengang der Tierheilkunde gibt – und dass er sich dann auch noch darüber Gedanken machen soll, dass ATM ja nicht als Abkürzung für eine Hochschule stehen könne, ist wohl eher lebensfremd. Die Angabe in einem Lebenslauf wird eben gerade nicht in dem Sinne verstanden, dass sich der Werbende mit einem Thema beschäftigt habe, sondern als Studium im eigentlichen Sinne.

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  1. Cornelius Renner

    Danke für den Hinweis! In der Tat, das OLG Düsseldorf hat bereits mit Urteil vom 29. November 2012 – I-20 U 2/11 – in der Berufungsinstanz für Ordnung gesorgt und die Werbung zu Recht als irreführend verboten.

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