Ab in den Dschungel

Sommerzeit ist Urlaubszeit! Um sich vor unliebsamen Überraschungen zu schützen, werden auch in diesen Tagen wieder zahlreiche Reiselustige ihr Urlaubsdomizil erst nach einer sorgfältigen Recherche bei einem Hotelbewertungsportal buchen. Der Marktführer holidaycheck.de muss sich mittlerweile ernsthafter Konkurrenz erwehren: der Herausforderer holidaytest.de hat mit seinen beiden Werbeträgern, den Dschungelcamp-Moderatoren Sonja Zietlow und Dirk Bach, und dem Slogan „Urlaub oder Dschungel, das ist hier die Frage“ einen medialen Großangriff gestartet.

Dabei wirbt holidaytest.de mit dem folgenden „Gütesiegel“:

Wie das Portal Meedia berichtet, hat holidaycheck.de nun wegen der Verwendung des „Gütesiegels“ eine einstweilige Verfügung erwirkt. Nach dem Bericht sieht das Münchener Unternehmen die Verbraucher gleich in mehrfacher Weise getäuscht. Zum einen werde der unzutreffende Anschein „eines objektiven Prüfverfahrens“ erweckt, auf dem die Vergabe dieses Siegels beruhe. Zum anderen behaupte der Konkurrent auch, es handele sich um ein Siegel der ‚Touristik“. Auch dies sei eine irreführende Falschaussage.

Der Erlass der einstweiligen Verfügung zeigt, dass das Landgericht München I diese rechtliche Einschätzung teilt. Allerdings scheint die Verfügung holidaytest.de noch nicht zugestellt worden zu sein, da das Unternehmen zumindest auf seiner Internetseite weiterhin mit dem „Gütesiegel“ wirbt.

Der Newcomer wird es schwer haben, sich gegen den Angriff des Konkurrenten zu wehren. Nach der Rechtsprechung versteht der Verbraucher unter einer Werbung mit einem „Gütesiegel“, dass eine neutrale und kompetente Stelle die angebotene Ware oder Dienstleistung anhand objektiver Kriterien überprüft hat. Dies ist etwa beim „TÜV-Prüfzeichen“ oder dem „Trusted Shops-Gütesiegel“ der Fall.

Bei dem „Gütesiegel“ von holidaytest.de stellen sich nun gleich mehrere Probleme: Zunächst könnte man schon darüber nachdenken, welchen Aussagewert das „Gütesiegel“ überhaupt hat. Bezieht es sich auf eine von holidaytest.de angebotete Dienstleistung, nämlich die Vermittlung von Urlaubsreisen unter Bereitstellung von Hotelbewertungen durch Urlauber, die das Hotel bereits besucht haben? Tatsächlich bezieht sich das Gütesiegel auf die bewerteten Hotels. Holidaytest.de selbst beschreibt das „Prüfverfahren“ so:

„Das Holidaytest Gütesiegel steht für eine unabhängige Bewertung von Hotels. Urlauber testen Urlaubshotels und nehmen dabei kein Blatt vor den Mund: Ist das Hotel in einem guten Zustand, ist der Service zuvorkommend, die Angebote ansprechend? Schmeckt das Essen und sind die Zimmer sauber? Unsere Urlauber haben die Hotels selbst getestet und erstellen Hotelbewertungen, welche von der unabhängigen Holidaytest Redaktion geprüft werden. Hotelkritiken werden 1:1 abgebildet, es gibt keine Beschönigungen.“

Holidaytest.de „verleiht“ das Gütesiegel dann an Hotels, die von den Urlaubern mit sehr gut, gut, befriedigend oder ausreichend beurteilt wurden.

Aber worin kann nun die Irreführung liegen? Zunächst könnte schon die Aussage „geprüfte Qualität“ eine Fehlvorstellung erzeugen. Denn der Verbraucher wird unter einer „Prüfung“ wohl ein standardisiertes und objektives Verfahren verstehen, dem sich alle bewerteten Hotels gleichermaßen unterziehen müssen. Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass das Siegel in der optischen Gestaltung durchaus an die Prüfzeichen der „Stiftung Warentest“ erinnert (mehr zur Werbung mit Testergebnissen gibt es hier). Auch wenn die Urlauberbewertungen auf einem Fragebogen basieren, ist das „Prüfverfahren“ der Urlauber sicher nicht standardisiert; zudem sind die Antworten stark subjektiv geprägt. Dagegen ließe sich zweierlei anführen: Zum einen könnte die „Schwarmintelligenz“ objektivierend wirken, zum anderen müssen die Urlauberbewertungen immerhin noch den „Filter“ der holidaytest.de-Redaktion durchlaufen.

Auch könnte sich die Frage nach der Unabhängigkeit von holidaytest.de stellen. Passt es wirlich zusammen, wenn über ein „unabhängiges“ Portal die bewerteten Hotels auch gleich gebucht werden können?

Schließlich ist auch die Aussage wackelig, das Siegel sei

„Ihr unabhängiges Qualitäts-Siegel der Reisebranche.“

Damit könnte der Eindruck erzeugt werden, an der Verleihung des Siegels seien neben den Urlaubern und der holidaytest.de-Redaktion weitere der Reisebranche zugehörige Kreise (etwa ein unabhängiger Touristikverband etc.) beteiligt. Dies scheint aber nicht der Fall zu sein.

Sobald holidaycheck.de seinem Konkurrenten die Verfügung zugestellt hat, müsste dieser die Werbung mit dem Gütesiegel einstellen. Andernfalls drohte ein saftiges Ordnungsgeld. Holidaytest.de könnte aber gegen die Verfügung vorgehen und Widerspruch einlegen. Sollte das LG München bei seiner Auffassung bleiben, bliebe noch das Rechtsmittel der Berufung, zuständig wäre dann als nächste Instanz das Oberlandesgericht München. Wir bleiben am Ball!

UPDATE vom 5. Juli 2011: holidaytest.de hat mittlerweile die Gestaltung seines „Gütesiegels“ geändert. Es sieht nun so aus:

Ob die Änderungen darauf beruhen, dass holidaycheck.de mittlerweile die beim LG München erwirkte einstweilige Verfügung zugestellt hat, ist nicht bekannt. Denkbar wäre auch, dass die beiden Kontrahenten hinter den Kulissen einen Kompromiss ausgehandelt haben. Jedenfalls ist die Irreführungsgefahr bei dem neu gestalteten „Gütesiegel“ deutlich geringer. Zum einen lehnt sich das Siegel nur noch entfernt an die bekannten „Stiftung-Warentest-Prüfzeichen“ an; zum anderen wird nun deutlicher, wer die „Prüfer“ sind auf und auf was sich das Siegel bezieht. Es bleibt nun abzuwarten, ob sich holidaycheck.de mit den Änderungen zufrieden gibt oder weitere rechtliche Schritte einleitet.

2 Gedanken zu „Ab in den Dschungel

  1. Ich als Laie muss auch zugeben, dass das Ganze von holidaytest mit Absicht sehr irreführend dargestellt wurde. Ich dachte anfangs, dass dieser Gütersiegel tatsächlich von einer Organisation kommt, wie Stiftung Warentest oder Ähnliches. Mit der „einstweiligen Verfügung“ scheint „Ab in den Urlaub“ ja nichts auszumachen. Man sieht ja die Werbung für holidaytest seit ein paar Wochen im TV. Ich bin der Meinung, dass holidaycheck Nichts dageben machen kann. Außer, dass er sich warm anziehen soll, denn holidaytest wird Holidaycheck bald Paroli bieten.

  2. So, jetzt wäre es ja offiziell, oder? Die Seite muss weg, oder? 😉
    Aber Unister wird sicherlich die Kurve kriegen und sich damit rausreden, dass nicht mehr mit „echten Gästemeinungen“ geworben werden darf! Der Fake bleibt trotzdem bestehen!

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