Wie Du mir, so ich Dir

Der Freispruch im Strafverfahren gegen Jörg Kachelmann ist mittlerweile rechtskräftig, einige vom Wettermoderator angestrengte zivilrechtliche Verfahren sind dagegen noch nicht endgültig abgeschlossen. Unter anderem bewegte Kachelmann den Südkurier, der den Anwalt der Anzeigenerstatterin und Nebenklägerin unzutreffend als „Anwalt des Opfers“ bezeichnet hatte, zu einer Richtigstellung. Der Anzeigenerstatterin selbst ließ Kachelmann vom Landgericht Köln untersagen, gegen ihn gerichtete Beschuldigungen außerhalb von gerichtlichen Verfahren oder Ermittlungsverfahren zu wiederholen (Urteil vom 28.10.2011 – 28 O 557/11).

Nicht nur rechtlich spannend ist das Verfahren gegen einen Journalisten, der eine Klage von Kachelmann mit einer Widerklage gekontert hatte, mit der er dem Wettermoderator die Verbreitung eine Fotos verbieten lassen wollte, das den Journalisten zeigt, wie er in der Nähe von Kachelmanns Wohnung in seinem Auto sitzt und Zeitung liest. Kachelmann hatte das Foto selber aufgenommen und mit der Bildunterschrift

„Der tapfere Wochenend Paparazzo W (BILD) bevorzugt seriöse Presse, wenn man nen Tag auf den Promi wartet.“

in seinem Twitter-Account veröffentlicht.

Das Landgericht hat die Widerklage mit Urteil vom 9. November 2011 – 28 O 225/11 als unbegründet abgewiesen. Zwar habe der Journalist nicht in die Veröffentlichung des Fotos eingewilligt; diese sei aber gemäß § 23 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 KUG gleichwohl zulässig, da sie ein zeitgeschichtliches Ereignis erfasse und entgegenstehende überwiegende Interessen des Beklagten nicht ersichtlich seien. Die Begründung der Kölner Richter liest sich überzeugend:

„Der Umgang der Medien mit Prominenten, insbesondere die Art und Weise wie die Berichterstattung über Prominente und die Bebilderung derselben erfolgt, ist bereits grundsätzlich von gesellschaftlicher Relevanz und von öffentlichem Interesse, da der Umgang miteinander die gesellschaftlichen Grundlagen berührt. Dieses öffentliche Interesse ist im vorliegenden Fall zudem noch dadurch gesteigert, dass die Berichterstattung über den Kläger, das gegen diesen geführte Strafverfahren aber auch der Umgang der Medien hiermit, ein wesentliches Thema der Jahre 2010 und 2011 war und großen öffentlichen Widerhall gefunden hat. Die Öffentlichkeit hat daher ein Interesse daran zu erfahren, wie diese Berichterstattung zustande kommt.“

Das Berichterstattungsinteresse überwiege, so das Landgericht weiter, das Persönlichkeitsrecht des Journalisten, da dieser einerseits an der Berichterstattung mitgewirkt habe und andererseits in Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit gezeigt werde und damit lediglich in seiner Sozialsphäre betroffen sei. Auf die ergänzende Argumentation Kachelmanns, er sei zur Veröffentlichung des Bildes jedenfalls unter dem Aspekt der Selbsthilfe bzw. des Rechts zum Gegenschlag berechtigt, musste das Landgericht damit nicht mehr entscheiden.

Schreibe einen Kommentar

Wenn Sie diese Seite nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Verwendung von Cookies Auf unseren Internetseiten werden so genannte Cookies verwendet. Dabei handelt es sich um kleine Textdateien, die auf Ihrem Rechner abgelegt werden und die Ihr Browser speichert. Cookies dienen dazu, unser Angebot nutzerfreundlicher, effektiver und sicherer zu machen. Wir verwenden überwiegend so genannte „Session-Cookies“. Diese werden nach Ende Ihres Besuchs automatisch gelöscht. Wenn Sie unsere Webseiten ohne Cookies betrachten möchten, wählen Sie bitte in den Einstellungen Ihres Browsers die Funktion „Keine Cookies akzeptieren“ aus. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, bereits gesetzte Cookies wieder zu löschen. Genaueres entnehmen Sie bitte der Hilfe-Funktion des jeweiligen Browser-Herstellers.

Schließen