Der Koch und das Windhundprinzip

Alfons Schuhbeck ist ein umtriebiger Geschäftsmann: neben mehreren Restaurants betreibt er in München einen Eissalon, einen Schokoladenladen, einen Teeladen, einen Partyservice, eine Bar und eine Kochschule. Daneben ist er mit seinen Unternehmen Inhaber verschiedener Marken mit dem Bestandteil „Schuhbeck“, über die er allerlei kulinarische Köstlichkeiten vertreibt. Natürlich ist er auch Inhaber der Domain schuhbeck.de. Aber die Domain schuhbeck.com, die fehlt ihm in seinem geschäftlichen Portfolio. Das will er jetzt mit Hilfe des Landgerichts München I ändern – allerdings dürfte er dabei schlechte Karten haben.

Denn bei der Domainvergabe gilt grundsätzlich das Windhundprinzip: first come, first serve. Anders kann das sein, wenn jemand ein fremdes Kennzeichen oder einen fremden Namen als Domainnamen registrieren lässt – der Jurist spricht dann von einer unzulässigen Namensanmaßung. Das Windhundprinzip gilt dann allerdings wieder, wenn sich zwei Namensberechtigte streiten.

So liegt der Fall hier: Sebastian Schuhbeck, seines Zeichens der Bayerische Landesbeauftragte für Computereinsatz im Religionsunterricht, ist Inhaber der Domain schuhbeck.com und informiert auf der Seite rund um das Thema „Digitaler Religionsunterricht“.

Nach einem Bericht der Abendzeitung hatte der Koch Schuhbeck zunächst die Herausgabe der Domain von dem Religionslehrer Schuhbeck gefordert und – nachdem der Religionslehrer sich geweigert hatte – auch Geld für die Domain geboten – ebenfalls ohne Erfolg.

Daraufhin klagte der Koch vor dem Landgericht München I. Die mündliche Verhandlung war für nächsten Dienstag, den Nikolaustag, angesetzt. Jetzt, so berichtet die Süddeutsche Zeitung, wurde der Termin auf Bitten des Kochs in den Sommer 2012 verschoben. Vielleicht soll doch noch einmal über eine einvernehmliche Lösung verhandelt werden. Dem Koch Schuhbeck wäre das zu empfehlen. Der dürfte nämlich schlechte Karten in dem Prozess haben.

Er beruft sich auf die „Shell-Entscheidung“ des Bundesgerichtshofs. Der Öl-Konzern Shell hatte gegen den Inhaber der Domain shell.de geklagt. Wie auch hier war der Domaininhaber ein Namensberechtigter, er hieß mit Nachnahmen Shell. Der BGH hatte den Inhaber im Jahr 2001 verurteilt, gegenüber der DENIC auf die Domain zu verzichten. Die Bundesrichter bejahten zwar bei mehreren Namensberechtigten grundsätzlich das Windhundprinzip. Wegen der überragenden Bekanntheit des Öl-Konzerns entschied der BGH aber, der unbekannte Domaininhaber dürfe die Domain shell.de nicht nutzen, vielmehr müsse er einen Zusatz wählen, um zu vermeiden, dass eine Vielzahl von Kunden, die sich für das Angebot des Ölkonzerns interessieren, seine Homepage aufruft.

Unabhängig von der Frage, ob der BGH die Enscheidung heute wieder so treffen würde, düfte die Bekanntheit des Fernseh-Kochs nicht ausreichen, zumal auch der Religionslehrer als Autor einiger Artikel und Bücher eine gewisse Bekanntheit für sich beansprucht. Zudem dürften die Interessen der beiden Schuhbecks bereits in einem angemessenen Verhältnis stehen – beide haben jeweils eine Second Level Domain mit ihrem Namen.

Vollkommen aussichtslos dürfte es sein, wenn der Koch Schuhbeck sich auf seine Marken berufen sollte. Da diese nur für Waren und Dienstleistungen rund um das Thema Kochen und Gastronomie geschützt sind, kann er es nicht verhindern, wenn der Religionslehrer Schuhbeck Materialien für den Schulunterricht unter dem Zeichen Schuhbeck anbietet.

4 Gedanken zu „Der Koch und das Windhundprinzip

  1. Was mich verwundert: Warum aquiriert ein Religionslehrer, der eine rein deutschsprachige Zielgruppe hat, nicht die .DE Domain, sondern nimmt .COM? COM steht für “Commerce”, diese TLD ist eigentlich dazu gedacht, Geschäfts-Adressen zu kennzeichnen, und ist heutzutage hauptsächlich im englischsprachigen Umfeld bzw USA in Verwendung. Insofern verwirrt der Religionslehrer gleich zweimal: Er hat weder ein Geschäft, noch bietet er englischsprachige Dienste an. Wozu also die COM Domain?
    Im Gegensatz dazu der Alfons.S, der mit seinem Gewürzhandel inzwischen weit über Deutschland hinaus bekannt ist. Da macht die COM Domain tatsächlich Sinn, um eben auch im englischsprachigen Ausland gefunden zu werden. Es gibt viele Firmen, die unter .DE den deutschsprachigen Content, und unter COM den englischsprachigen Auftritt haben.

    War es vielleicht nicht doch so, dass Sebastian S. damals, als er beschloß im Internet präsent zu werden, feststellen mußte, dass die DE Domain schon vergeben war, und er schon damals drauf spekulierte, dass er die COM später mal gewinnbringend verkaufen könnte? DomainGrabbing war damals (und ist auch heute noch) ein beliebter “Sport”… Und erst als sich sein Religionslehrer-Angebot etablierte, entstand erst der Bedarf, sich an die eigentlich unsinnige COM Domain zu klammern.
    Ich persönlich würde nie auf die Idee kommen, nach deutschen Religions-Inhalten auf einer COM Webseite zu suchen.
    Warum also nicht ne sinnvollere TLD verwenden, z.B. Schuhbeck.INFO? Und tatsächlich: diese INFO ist ja auch schon der Auftritt vom Sebastian S. Er braucht also die COM garnicht…
    Auch der Einwand, dass es eine Familiensache sei, zieht nicht so ganz: Es findet sich nur sehr wenig Persönliches, und schon garnichts familiäres auf dieser Webseite. Und auch als EMail ist sie nicht in Verwendung, der Sebastian S. ist (zumindest offiziell) nur unter Web.de erreichbar.

    Letztendlich seh ich da nur einen eskalierten Streit, wo ein Sebastian beleidigt (wäre ich auch, wenn ich so eine barsche Aufforderung bekäme) und sturköpfig ist, und die Presse sich (wie in Deutschhland leider üblich) hämisch auf den Alfons stürzt, weil’s halt mal wieder was gibt, wo man einem “Großkopferten” was auswischen kann. Daher ist die vom Alfons angestrebte Deeskalation (“setz ma uns zam und red ma’s aus”) doch der richtige Weg, und damit wär das Problem aus der Welt: Der Religionslehrer hat seine INFO und ein paar Tausender Weihnachtsgeld, der Gewürzhändler seine COM, und alles is wieder ok. Aber das würde der Presse nicht gefallen, denn jemanden fertig machen ist alleweil auflagenwirksamer als ne gütliche Einigung….

    1. Antwort an „Willi Wutz“

      Sehr geehrter „Willi Wutz“,

      ich BIN der besagte Sebastian Schuhbeck, um den es in dieser Angelegenheit (auch) geht und insofern erlaube ich mir einige Korrekturen an Ihrer Darstellung:

      Sie erlauben, dass ich gleich eingangs unterstelle, dass Sie nicht wirklich „Willi Wutz“ heißen, sondern dass dies ein Internet-Nickname ist.
      Ich unterstelle ferner, dass Sie selbst möglicherweise kein Jurist sind, da Sie in Ihren Überlegungen keinerlei juristische Begrifflichkeiten und Kategorien bedienen – was man bei einem Medienrecht-Blog allerdings erwarten würde. Gehe ich Recht in der Annahme, dass Sie ein Alfons Schuhbeck „Fan“ sind oder sogar für ihn arbeiten? Ihre Einschätzung der Sachlage fällt nämlich allein schon in der Hinsicht auf, als Sie – soweit ich es überblicke – von Dutzenden Zeitungsberichten und noch viel mehr Online-Kommentaren zu eben diesen Berichten bisher das einzige deutlich erkennbare Pro-Alfons-Feedback liefern. Vielleicht ändert sich aber Ihre Bewertung des Falls, wenn Sie folgendes berücksichtigen:

      1. Die doppelte Verwirrung, in die Sie wegen meiner Verwendung einer COM-Domain für ein deutschsprachiges, nichtkommerzielles Webangebot geraten, kann ich schon gleich zu Beginn auflösen: Com-Domains sind schon seit langem weder ausschließlich für kommerzielle Zwecke, noch für englischsprachige Websites reserviert.

      2. Im zweiten Absatz versteigen Sie sich in eine Spekulation, warum ich wohl damals (März 2004) die Domain http://www.schuhbeck.com gewählt habe, und kommen für sich zu dem Ergebnis, ob es nicht doch Domain-Grabbing war. Hier gibt es nur Folgendes festzustellen: Ich habe sowohl Alfons Schuhbeck, als auch der Presse gegenüber mehrfach sher deutlich gemacht, dass ich an einem Verkauf meiner Domain nicht interessiert bin.

      An meiner Unverkäuflichkeitsposition hat sich auch mit dem Antrag der Gegenseite nichts geändert, mit dem der Prozess verschoben werden sollte, um mit mir Vergleichsverhandlungen zu führen. – Nochmals in aller Deutlichkeit: Ich bin an einem Verkauf nicht im Geringsten interessiert. Ihre Domain-Grabbing-Theorie ist also völlig haltlos.

      3. Ebenso wenig greift Ihr Einwand, ich würde die Com-Domain ja gar nicht „brauchen“, da ich doch bereits die Domain http://www.schuhbeck.info habe, wenn Sie sich vor Augen halten, dass Alfons Schuhbeck nach meiner heutigen Zählung fast 30 Domains – darunter übrigens auch einige Com-Domains – für sich registriert hat.

      4. Ihr Gedanke, ich würde meine Domain auch nicht für E-Mail-Zwecke benötigen, da ich „(zumindest offiziell) nur unter Web.de erreichbar“ sei, ist ebenfalls nicht besonders tragfähig. Im Computerzeitschriften wird seit Jahren darauf hingewiesen, man sollte im Internet nicht seine „guten“ E-Mail-Adressen angeben, sondern nur eine solche, die man ggf. auch problemlos „abschalten“ könnte, wenn Spam, Kettenbriefe etc. einem zuviel werden. Genau diesen Tipp gebe ich auch seit 14 Jahren, wenn ich bei Lehrerfortbildungen zu Sicherheitsfragen Stellung nehme. Wenn Sie in meinem Impressum (http://www.schuhbeck.com/about.htm) den Text neben meiner E-Mail-Adresse genauer gelesen hätten, wüssten Sie auch den Grund für diese E-Mail-Adresse.

      Und wenn Sie im Gegenzug im Internet die persönliche (!) E-Mail-Adresse von Alfons Schuhbeck zu finden versuchen, werden Sie selbstverständlich feststellen, dass Sie hier aus dem gleichen Grund eine Fehlanzeige bekommen werden.

      5. Kommen wir zu Ihrer Gesamteinschätzung des Falls:
      Sie sehen hier also „nur einen eskalierten Streit“, in dem Sie seltsamerweise mich und die Medien als die Schuldigen portraitieren und in geradezu absurder Verkennung der Realität die Alfons-Seite als diejenigen darzustellen versuchen, die die Deeskalation sucht.

      Ich darf klarstellen (für den Fall, dass Sie dies in den Medien überlesen haben): Nicht ICH habe den Prozess angestrebt, sondern Alfons Schuhbeck. Wenn Sie nun Alfons quasi als Propheten der Deeskalation darstellen wollen, müssten die Leser Ihres Beitrags ausblenden, dass Alfons mit seinem Gang vor Gericht sozusagen „das Kriegsbeil ausgegraben“ hat. Hier von Deeskalation zu sprechen, erfordert schon etwas Mut.

      Ich darf ferner klarstellen: Wenn Ihnen jemand etwas wegnehmen möchte, das seit acht Jahren Ihnen gehört und Sie sich weigern, dann ist das nicht sturköpfig. Welch merkwürdiger Perspektivenwechsel!

      Ich möchte auch Ihr Bild von den Medien etwas korrigieren:
      Sie machen es sich deutlich zu einfach, wenn Sie schreiben, dass sich die Medien „hämisch auf den Alfons“ stürzen, weil das „auflagenwirksamer“ ist. Ich bin sicher, die Redakteure und Journalisten der zahlreichen Qualitätspublikationen, die über „Schuhbeck gegen Schuhbeck“ berichtet haben, werden sich gegen diese Sichtweise streng verwahren wollen.

      Hier wird über einen ungerechtfertigten Übergriff eines „Promis“ berichtet, der das Gerechtigkeitsempfinden vieler Menschen verletzt. Lesen Sie dazu die vielen Online-Kommentare unter den Medienberichten. Ich selbst habe inzwischen Solidaritäts-Mails gut im dreistelligen Bereich bekommen.

      6. Abschließend:
      Nein, der Religionslehrer wird sicher nicht „ein paar Tausender Weihnachtsgeld“ nehmen, damit der „Gewürzhändler seine COM“ bekommt. Es ist nämlich seit fast acht Jahren MEINE COM, und nur wenn sie das auch bleibt ist für mich und die zahlreichen Menschen, deren Gerechtigkeitsempfinden hier verletzt wird, alles „wieder ok“.

      Der einzig wirklich richtige (und anständige) Weg für die Alfons-Seite ist:
      – Umgehende Rücknahme der Klage.
      – Erstattung meiner Unkosten.
      Dann wäre die Sache sogar schnell „wieder ok“.

      Sebastian Schuhbeck

  2. Sehr geehrter “Willi Wutz”,

    wie oft werden wir jetzt eigentlich noch Ihren hanebüchenen und geradezu absurd an der Realität vorbei “argumentierenden” Beitrag lesen müssen?

    Sie haben am 22. Dez. innerhalb weniger Minuten diesen Beitrag mindestens fünf Mal in identischer Form gepostet (möglicherweise sogar noch öfter):

    1. http://schuhbeck.cc/hintergrund/

    2. http://schreibenfuergeld.wordpress.com/2011/12/12/schuhbeck-vs-schuhbeck-wieder-mal-domainraub-aus-macht-und-geldgier/

    und dann noch in drei juristischen Fachforen:

    3. http://www.markenblog.de/2011/11/30/streit-um-schuhbeck-com-schuhbeck-vs-schuhbeck/ (um 10.56 Uhr)

    4. http://www.internet-law.de/2011/11/fernsehkoch-will-sich-domain-schuhbeck-com-erstreiten.html (um 10:59 Uhr)

    5. http://medienrecht-blog.com/2011/12/01/schuhbeck-klagt-wegen-schuhbeck-com-domain/ (11:01 Uhr)

    Zunächst hatte ich Ihren Beitrag nur im Medienrecht-Blog gelesen. Nachdem ich jetzt aber feststelle, dass Sie geradezu eine Art “Mini-Kampagne” in juristischen Fachforen veranstalten, stellt sich der skeptische Leser natürlich schon die Frage, welche Motivation Sie haben, sich so vehement auf die Seite von Alfons Schuhbeck zu schlagen.

    Erlauben Sie mir, dass ich außerdem auf eine sehr ironische Brechung in Ihrer eigenen “Argumentation” hinweise. Sie schreiben oben:

    “Ich persönlich würde nie auf die Idee kommen, nach deutschen Religions-Inhalten auf einer COM Webseite zu suchen.”

    Sehen Sie nicht auch die herrliche Ironie, dass Sie diesen “Einwand” ausgerechnet auf einer deutschsprachigen com-Adresse posten (medienrecht-blog.COM), wo Sie selbst doch angeblich gar nicht auf die Idee kämen, deutsche Inhalte auf einer com-Adresse vorzufinden? Oder gilt das nur für Religionsinhalte?

    Si tacuisses!

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