Musik in der Praxis: (Zahn-)Stein des Anstoßes

„Eine Wiedergabe von Tonträgern gehört nicht zur Zahnbehandlung“ – so prägnant und klar hat der EuGH selten etwas auf den Punkt gebracht. Das Gericht begründet mit Urteil vom 15. März – C-135/10 – mit dieser für jeden Patienten so bitteren Wahrheit, dass ein Zahnarzt, der in seiner Praxis das Radio laufen lässt oder Tonträger abspielt, die Musik nicht öffentlich wiedergibt.

 © Michael Horn / pixelio.de

Eine Verwertungsgesellschaft, gewissermaßen die italienische GEMA, hatte einen Zahnarzt auf angemessene Vergütung für die Wiedergabe von Tonträgern verklagt. Dieser hatte argumentiert, die Musik werde nicht im Sinne des italienischen Urhebergesetzes und der zugrundeliegenden europäischen Bestimmungen öffentlich wiedergegeben.

Mit Erfolg. Er kann seine Patienten auch weiter mit  Musik verwöhnen. Voraussetzung der öffentlichen Wiedergabe sei, so der EuGH, dass sich der Nutzer gezielt an das Publikum wende, für das die Wiedergabe vorgenommen werde, und dass es in der einen oder anderen Weise für diese Wiedergabe aufnahmebereit ist und nicht bloß zufällig „erreicht“ werde.

Und aufnahmebereit sei der Patient einer Zahnarztpraxis gerade nicht. Anders als bei einem Hotel, bei dem auch das Angebot von Musik als zusätzliche Dienstleistung gesehen werde, aus der dass Hotel dann auch einen Nutzen ziehe, weil er sich auf die Zimmerpreise auswirken könne, sei dies beim Patienten einer Zahnarztpraxis anders. Diese begäben sich nämlich zu dem einzigen Zweck in eine Zahnarztpraxis, behandelt zu werden, und dazu gehöre die Berieselung eben nicht. Die Patienten genössen zufällig und unabhängig von ihren Wünschen je nach dem Zeitpunkt ihres Eintreffens in der Praxis und der Dauer des Wartens sowie der Art der ihnen verabfolgten Behandlung bestimmte Musikstücke. Der Zahnarzt könne daher auch nicht wegen der Musik einen größeren Patientenkreis erwarten oder seine Preise erhöhen. Schließlich sei die Zahl der gleichzeitig in der Praxis anwesenden Patienten sehr gering und der Patientenstamm sei weitgehend stabil.

Zwangsläufig kommen einem Bilder manischer Zahnärzte vor Augen, die sich – wie Professor Börne im Münsteraner Tatort – zu ohrenbetäubender Musik, an ihren – allerdings hoffentlich noch lebenden – Patienten zu schaffen machen. Und in der Tat: Aufnahmebereit sind die in erster Linie  für die nächste Zahnfüllung…

 

3 Gedanken zu „Musik in der Praxis: (Zahn-)Stein des Anstoßes

  1. Die Idee Musik während der Behandlung wieder zu geben kann auch eine beruhigende Wirkung haben wenn es passende Musik ist. Ich finde dieses Gerichtsurteil sehr gut. Zahnarztbehandlungen sind auch so schon recht teuer und da ist es wirklich nicht erforderlich die Zahnärzte noch dazu zu nötigen wegen „Musikgebühren“ die Preise zu erhöhen. Viele Patienten haben vor dem Zahnarzt viel mehr Angst als vor den meisten anderen medizinischen Behandlungen und daher sollte man es auch ermöglichen die Behandlung etwas angenehmer zu gestalten.

  2. Natürlich ist es Sinnvoll und auch gut für den Patienten wenn während der Behandlung Musik gespielt wird. Es nimmt einem die Angst und beruhigt. Am besten ist es sogar wenn der Patient seine eigene Musik mit Kopfhörern mitbringt. (aber kein Metal) =). Die GEMA Versucht überall was raus zuschlagen.

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