Die undichte Stelle

Es dürfte das erste Mal sein, dass ein Papst sich mit einer presserechtlichen Angelegenheit in die Hände der deutschen Justiz  begibt: Papst Benedikt hat eine einstweilige Verfügung gegen die Titanic beim Landgericht Hamburg erwirkt.

Wie unter anderem Spiegel Online berichtet, hat das Gericht das aktuelle Titel- und Rückseitenbild des Satiremagazins verboten, das Benedikt in einer Soutane zeigt, die im Schritt gelblich gefärbt ist. Die Titelzeile dazu lautete: „Halleluja im Vatikan – Die undichte Stelle ist gefunden!“.Auf der – nun ebenfalls verbotenen – Rückseite des Hefts war der Papst von hinten zu sehen – mit braun verschmutztem Gewand. Die Titelseite ist in dem Spiegel Online Artikel derzeit noch veröffentlicht.

Ob die Verfügung Bestand haben wird, wenn Titanic sich entschließen sollte, sich zu wehren, ist keineswegs sicher. Die Gerichte sind bei satirischen Darstellungen wegen der grundrechtlich geschützten Kunstfreiheit tendenziell großzügig. Eine satirische Darstellung kann dann verboten werden, wenn etwa durch eine verfremdete Darstellung eine falsche Tatsache behauptet ist. Das ist aber bei einer offensichtlich verfremdeten Darstellung wie der vorliegenden von Vornherein ausgeschlossen. Im Übrigen können derartige Darstellungen aber nur verboten werden, wenn die Grenze der Schmähung überschritten ist. Ob das hier schon der Fall ist, ist zweifelhaft. Das LG München hat etwa in einer Entscheidung vom 16. April 2009 – 9 O 6897/09 – eine Abbildung des damaligen Bayern-Trainers Jürgen Klinsmann als Gekreuzigten für zulässig gehalten.
Titanic nimmt es natürlich mit Humor und teilt in der Internetausgabe mit:

 

„Benedikt muß uns mißverstanden haben“, erklärte Chefredakteur Leo Fischer. Der Titel zeige einen Papst, der nach der Aufklärung der Spitzelaffäre („Vatileaks“) feiert und im Überschwang ein Glas Limonade über seine Soutane verschüttet hat: „Es ist allgemein bekannt, daß der Papst ein großer Freund des Erfrischungsgetränks ‚Fanta‘ ist.“ Man hoffe nun auf ein persönliches Gespräch mit dem Heiligen Vater, um das Mißverständnis auszuräumen.

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