Bushido ist mit einem blauen Auge davon gekommen. Auf eine Klage einer Big Brother-Bewohnerin, die er wüst beschimpft hatte, muss er nach einem Urteil des Landgerichts Berlin  vom 13.08.2012 – 33 O 434/11 – nur eine Geldentschädigung von 8.000,00 EUR zahlen.

Bushido hatte sie als „Nutte“ und „Kacke“ bezeichnet und erklärt, sie sehe aus wie eine Mischung aus „Der Joker, Michael Jackson, ’nem Schimpansen und Tatjane Gsell“ und habe „so nen ekligen Zellulitiskörper pfui Teufel“. Ein Vergleich, den die Parteien im April 2012 geschlossen haben und der eine Zahlung von 12.000,00 EUR vorsah, war zuvor widerrufen worden.

Das Gericht wertete die Äußerungen – wenig überraschend – als Verletzung des Persönlichkeitsrechts durch bewusst bösartig überspitzte Kritik. Geklagt hatte die Betroffene auf 100.000,00 EUR. Den doch angesichts der Schwere der Beleidigung moderaten Betrag begründet das Landgericht zum einen damit, dass sich die Klägerin gezielt der Öffentlichkeit preisgegeben habe – und zwar einerseits durch die Teilnahme an der RTL II-Sendung, andererseits dadurch, dass sie die angegriffenen Äußerungen selbst gegenüber der Presse mehrfach wiederholt und damit erst einem weiteren Adressatenkreis zugänglich gemacht habe. So weit, so zwingend.

Bemerkenswert ist dann allerdings ein weiteres Argument des Gerichts:

„Bei der Intensität der Persönlichkeitsrechtverletzung war zu berücksichtigen, dass Äußerungen von Rappern wie B… mit ihrer teilweise unsachlichen und überzogenen Tendenz vom verständigen Durchschnittsbürger nicht für bare Münze genommen werden.“

Dieses Argument, das an das bekannte Sprichwort „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert“ erinnert, lässt nun allerdings aufhorchen. Weitergedacht hieße es, wer nur in der Öffentlichkeit genug Dreck auf andere schleudert, kommt günstig davon, wenn er es schafft, durch die Vielzahl seiner Beleidigungen nicht mehr ernst genommen zu werden. So sehr auch das vom Landgericht Berlin gefundene Ergebnis der Höhe nach angesichts des eigenen Verhaltens der Klägerin gut vertretbar erscheint, so sehr kann andererseits dieses Argument nicht richtig sein.

One thought on “Ist der Ruf erst ruiniert…

  1. Genau so sehe ich das auch. Wer solche krassen Beleidigungen in die Welt setzt, müsste eine höhere Entschädigung zahlen. Und für irgendwelche Gangsta-Rapper darf es keine Vergünstigungen geben. Ganz im Gegenteil.

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