Prinzessin Kate nackt – nach deutschem Recht erlaubt?

Wie Spiegel Online meldet, haben Prinz William und Kate in Frankreich einen Eilantrag  bei Gericht eingereicht, um die weitere Verbreitung der in und auf der französischen Ausgabe des Magazins „Closer“ erschienenen Nacktfotos der Prinzessin zu verhindern. Die Bilder machen währenddessen weiter die Runde um die Welt, und das Titelblatt wird munter auch in anderen Medien abgedruckt, etwa im Handelsblatt (UPDATE – 17.9.: Die Fotos sind mittlerweile nicht mehr abrufbar). Das französische Gericht möchte am 17. September über den Antrag verhandeln. Wie ist aber die Veröffentlichung nach deutschem Recht zu beurteilen?

Die Antwort ist einfach: Die Veröffentlichung der Fotos, die ein Paparazzo offensichtlich mit einem starken Teleobjektiv aufgenommen hat und die das Paar auf der Terrasse eines Schlosses zeigt, wäre nach deutschem Recht ganz eindeutig unzulässig, und jede an den entscheidenden Stellen nicht zumindest unkenntlich gemachte Veröffentlichung des Covers in deutschen Medien ist es auch.

Der Bildnisschutz ist in den §§ 22, 23 KUG geregelt. Nach § 23 Abs. 1 Nr. 2 KUG ist zwar der Abdruck von Ereignissen aus dem Bereich der Zeitgeschichte zulässig. Selbst wenn man aber, was schon kaum vertretbar ist, den Urlaub von William und Kate und ihr Sonnenbad noch als Ereignis der Zeitgeschichte ansähe, wäre die Veröffentlichung verboten, weil § 23 Abs. 2 KUG das Publizieren von Aufnahmen untersagt, wenn berechtigte Interessen des Betroffenen beeinträchtigt sind. Im Rahmen der insofern erforderlichen Interessenabwägung ist eine Veröffentlichung grundsätzlich untersagt, wenn sie den Bereich der Intimsphäre tangiert. Dies ist bei Nacktaufnahmen nach der Rechtsprechung stets der Fall.

Anders kann es nur dann sein, wenn eine Person ihre Nacktheit selbst der Öffentlichkeit preisgegeben hat, etwa wenn er anderen Nacktaufnahmen zugestimmt hat oder wenn er zum Ausdruck bringt, dass er gegen die Fotos nichts einzuwenden hat. So hat das LG Hamburg  in einem Urteil vom 20. April 2007 – 324 O 859/06 – die Veröffentlichung des Fotos einer Entertainerin für zulässig erachtet, das ihre unter einem verrutschten Abendkleid versehentlich entblößte Brust zeigt, weil die Abgebildete selbst auf ihrer Internetseite Nacktfotos von sich veröffentlicht hatte, mehrere Sekunden mit der entblößten Brust vor Fotografen posiert und dann auch noch in einem anschließenden Interview geäußert hatte, dass man den Fotografen „doch irgendwas zum Fotografieren geben“ müsse.

Gibt es eine derartige Situation nicht, sind die Gerichte bei Nacktaufnahmen zu Recht streng. So hat das LG Hamburg mit einem Urteil vom  29. Mai 2009 – 324 O 951/08 – sogar die Abbildung von Dieter Bohlen im Urlaub in einer Bucht beim Baden untersagt, obwohl die Zeitung den Intimbereich hinter einem Lorbeerblatt versteckt und nur den übrigen Körper gezeigt  hatte. Hier mag auch der durchaus lesenswerte Begleittext eine Rolle gespielt haben:

„Was für ein Anblick! Ehrlich, für seine 53 Jahre hat D. B. noch ein ziemlich knackiges Popöchen und seine Brust- und Bauchmuskulatur sind bestens in Schuss. Kein Wunder also, dass sich der Pop-
Seitenumbruch Titan gerade eine der beliebten FKK-Buchten der C. zum Nacktbaden ausgesucht hat – so konnte er seinen Astral-Körper nahtlos bräunen lassen.“

Zurück zum Thema: Im Fall von Prinzessin Kate kann von einer freiwilligen Preisgabe der Nacktheit keine Rede sein. Die Bilder greifen ohne weiteres in die Intimsphäre ein und sind noch dazu auf einer privaten Terrasse und damit einem privaten Bereich entstanden.

Aus der Unzulässigkeit des Abdrucks in „Closer“ folgt im Übrigen auch, dass auch jede Folgeveröffentlichung unzulässig ist. Zwar wird sich jede Zeitung, die das Cover nun abdruckt, nun möglicherweise darauf berufen können, dass der Streit um die Bilder ein Ereignis der Zeitgeschichte ist. Im Rahmen der Interessenabwägung bliebe es aber dabei, dass sich der Eingriff in die Intimsphäre nicht rechtfertigen ließe, zumal er nicht erforderlich ist. Soll ein Beitrag über die Auseinandersetzung bebildert werden, ist eine Unkenntlichmachung, wie es etwa selbst die „BZ“ praktiziert, ohne weiteres möglich.

Folge der Veröffentlichung dürften nicht nur Unterlassungsansprüche sein, auch eine Geldentschädigung (im Volksmund: Schmerzensgeld) würde nach deutschem Recht wohl zugesprochen werden. Sie setzt zwar eine besonders schwerwiegende Persönlichkeitsverletzung voraus. Diese dürfte bei der unzulässigen Veröffentlichung von Nacktaufnahmen aber vorliegen.

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