Von einer zentralen Vermarktung von Fernsehübertragungsrechten spricht man, wenn die einzelnen Vereine einer Liga, ihre Übertragungsrechte nicht selbst, sondern durch eine übergeordnete Institution vermarkten. Bekanntestes Beispiel ist die Vermarktung der Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga durch die DFL. Da es nun praktisch keinen Wettbwerb mehr zwischen den einzelnen Vereinen gibt, droht ein Verstoß gegen das Kartellverbot aus § 1 GWB bzw. aus Art. 101 AEUV. Beide Vorschriften verbieten Vereinbarungen zwischen Unternehmen oder Beschlüsse von Unternehmensvereinigungen, die eine Verhinderung, Einschränkung oder Verfälschung des Wettbewerbs bezwecken oder bewirken.

Die zuständigen Kartellbehörden und Gericht bejahen bei einer Zentralvermarktung einstimmig einen Verstoß gegen das Kartellverbot. Da aber die Möglichkeit besteht, die Vereinbarung vom Kartellverbot freizustellen, hat der Verstoß nicht unbedingt die Unwirksamkeit der Vereinbarung zur Folge. Eine Freistellung wird von den Kartellbehörden an verschiedene Bedingungen geknüpft, die das Vergabeverfahren und die Ausgestaltung der Verträge mit den Rechteerwerbern betreffen. Die EU-Kommission steht der Zentralvermarktung von Sportveranstaltungen etwa dann grundsätzlich positiv gegenüber, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Es findet ein transparentes und diskriminierungsfreies Vergabeverfahren statt
  • Die Rechte werden nach verschiedenen Medientypen und zeitlichen Prioritäten aufgeteilt in einzelnen „Paketen“ vertrieben
  • Es darf nicht ein einzelner Bewerber alle Pakete erwerben, stattdessen sollen möglichst viele verschiedene Medienunternehmen Zugang zu den Rechten bekommen
  • Es dürfen nicht ausschließlich Pay-TV-Anbietern zum Zuge kommen, es müssen auch Anbieter frei empfangbarer Programme berücksichtigt werden
  • Die einzelne Vereine behalten einen Teil der Rechte (vor allem im Bereich der neuen Medien), den sie selbst nutzen oder vermarkten dürfen
  • Die Laufzeiten der Verträge mit den Erwerbern sind nicht länger als drei Spielzeiten

Nachdem das deutsche Kartellamt lange Zeit eine strengere Linie gefahren ist, scheint es mittlerweile sogar einem DFL-Vermarktungsmodell offen gegenüber zu stehen, nach dem am Samstagabend eine frei empfangbare „Sportschau“ erst nach 22:00 Uhr über die Bildschirme liefe.

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