Bildnisse von Personen dürfen grundsätzlich nicht ohne Zustimmung der Abgebildeten veröffentlicht werden. Davon gibt es allerdings bestimmte Ausnahmen (§§ 22, 23 KUG).

Welche Personenbilder sind vom Bildnisschutz umfasst?

Vom Schutz des Bildnisses ist nicht nur jede Art von Fotos umfasst, sondern auch Gemälde, Zeichnungen oder Karikaturen von Personen oder auch die Darstellung einer bekannten und wieder erkennbaren Person durch einen Schauspieler.

Muss die abgebildete Person erkennbar sein?

Ja, die abgebildete Person muss für andere erkennbar sein. Es genügt aber eine Erkennbarkeit im kleineren Kreis, die sich nicht nur aus den Gesichtszüge ergeben kann, sondern etwa auch aus weiteren Merkmalen wie Bewegungen, auffälligen Tätowierungen, die Umgebung oder auch durch besonders charakteristische Kleidung. Daher schließt oft auch ein Augenbalken oder die Verpixelung eines Gesichts die Erkennbarkeit  nicht aus.

Wann kann eine Fotoveröffentlichung auch ohne Einwilligung des Betroffenen zulässig sein?

Ohne Einwilligung des Betroffenen dürfen Fotos veröffentlicht werden, wenn

  • die Veröffentlichung im Zusammenhang mit einem zeitgeschichtlichen Ereignis erfolgt,
  • die abgebildet Person auf dem Foto nur „Beiwerk“ ist,
  • die Person Bestandteil einer abgebildeten Versammlung ist ODER
  • die Veröffentlichung einem höheren Interesse der Kunst dient.

Was versteht man unter einem Ereignis der Zeitgeschichte?

Unter einem Ereignis der Zeitgeschichte sind alle Vorgänge erfasst, die im Informationsinteresse der Öffentlichkeit stehen. Ein solches zeitgeschichtliches Ereignis wird also durch den Aufmerksamkeitsgrad der Bevölkerung bestimmt.

Wann darf das Bild einer Person der Zeitgeschichte veröffentlicht werden?

Mit dieser Frage beschäftigen sich bereits seit Jahren die deutschen Zivilgerichte, das Bundesverfassungsgericht und sogar den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Vor allem die zahlreichen Abbildungen der monegassischen Fürstenfamilie in der Boulevardpresse waren in diesem Zusammenhang immer wieder Gegenstand von Prozessen.

Man unterscheidet heute zwischen Politikern, sonstigen Personen des öffentlichen Interesses und gewöhnlichen Privatpersonen:

  • Politiker dürfen neben ihrer Amtsführung auch ohne weiteres im privaten Leben abgebildet werden, da aufgrund deren Leit- und Vorbildfunktion ein gesteigertes Informationsinteresse besteht. So durfte etwa ein Foto von Heidi Simonis am Tag nach ihrer Abwahl bei einem Einkaufsbummel veröffentlicht werden. Auch hier gibt es aber selbstverständlich Grenzen, insbesondere bei schwerwiegenden Eingriffen in die Privat- und Intimspähre.
  • Sonstiger Personen des öffentlichen Interesses wie Mitglieder  regierender Fürsten- und Königshäuser, Schauspieler, Fernsehmoderatoren, Musiker, Sportler Führungspersonen aus Wirtschaft und auch Schriftstellern dürfen ebenfalls privat abgebildet werden. Allerdings muss ein gesondert festzustellendes  Informationsinteresse der Öffentlichkeit bestehen. Hier ist die deutsche Rechtsprechung aber noch immer recht großzügig und lässt etwa sogar die Veröffentlichung von Urlaubsfotos von Prominenten zu, soweit dadurch eine gesellschaftliche Diskussion angestoßen werden kann.
  • Gewöhnliche Privatpersonen genießen den größten Schutz, bei ihnen muss schon ein enger thematischer Zusammenhang mit einem zeitgeschichtlichen Ereignis bestehen. So können etwa Straftaten nicht prominenter ein Berichterstattungsinteresse begründen.

Wann ist eine Person lediglich Beiwerk auf einem Foto?

Beiwerk ist eine Person, wenn es auf ihre Erscheinung für das Foto nicht entscheidend ankommt. Die Person muss austauschbar sein oder sogar hinweggedacht werden können, ohne dass der Informationsgehalt des Bildes entfällt. Beispiel ist ein Passant, der gerade an einem in einer Zeitung abgebildeten brennenden Haus vorbeiläuft. Ist Gegenstand der Berichterstattung gerade die abgebildete Person, handelt es sich nie um Beiwerk.

Wie sieht es mit Fotos auf Versammlungen aus?

Im Rahmen von Versammlungen dürfen Personen ebenfalls nur abgebildet werden, wenn es nicht gerade auf die abgebildete Person ankommt – sie darf nur neben zahlreichen anderen Versammlungsteilnehmern zufällig mit abgebildet sein.